Chronik

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Der technische Fortschritt, sowie ein ständig steigender Lebensstandard, kündigten eine neue Ära an. Die wirtschaftlichen Probleme der Kriegs- und Nachkriegszeit konnten überwunden werden. „Man spricht heute vom deutschen Wirtschaftswunder" Kommerzielle Gesichtspunkte traten immer mehr in den Vordergrund, während die Traditionen leider zurück gedrängt wurden. Der Jugend bot sich eine Fülle anderer Betätigungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Auch an uns ist diese Entwicklung nicht spurlos vorübergegangen.

Im Verlauf von 10 Jahren - wir schrieben das Jahr 1961 – hatte sich die Sängerzahl um etwa die Hälfte reduziert. Dennoch hat sich der Verein auf einem hohen kulturellen Niveau stabilisiert und konnte nach wie vor mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten.

Im Zeichen der schnellen Zeitabläufe lässt sich das Auf und Ab in der Vereinsgeschichte nur noch im Zeitraffer wiedergeben. Dem Vereinsleben - vorwiegend durch Theater- und Familienabende, Konzertveranstaltungen und Maskenbälle geprägt - wurden neue Impulse gegeben, die die noch vorhandenen Sänger bei der Stange hielten. Großer Ansporn waren auch die Pokal- und Wertungssingen in der näheren und weiteren Umgebung, durch die sich der Verein zu einer beachtlichen Leistungsstärke entwickelt hat, obwohl auch immer wieder Rückschläge zu verzeichnen waren.

Im Dezember 1961 konnte ein sehr erfolgreiches Konzert mit der Chorgruppe Schulz vor mehr als 200 Besuchern abgehalten werden. Kurz darauf musste der Dirigent aus gesundheitlichen Gründen, nach annähernd elf Jahren wirkungsvoller Arbeit, sein Amt aufgeben.

Als Aushilfsdirigent musste der ortsansässige Musiker Karl Schnitzer für ca. ein Jahr in die Presche springen, bevor man Karl Engelhardt aus Dietesheim endgültig als neuen Chorleiter verpflichten konnte.

Zuvor hatte man bereits einen weiteren Dirigenten engagiert, der jedoch dem Verein nach 10 Übungsstunden wieder den Rücken kehrte.

Mit Dirigent Engelhardt wurde der Verein spontan zu neuen Aktivitäten erweckt. Er übte nicht nur neuzeitliche Literatur ein, sondern hatte auch eine besondere Ader für die allgemeine musikalische Unterhaltung Die Bunten Sängerabende und die musikalischen Einlagen bei Faschingsveranstaltungen, die schon immer reges Interesse in der Bevölkerung fanden, haben ihren Ursprung in dieser Zeit. 1965 konnte der Verein unter 22 Chören bei einem Pokalsingen in Stockheim den 2. Preis erringen.

Das Jahr 1967 stand zunächst unter einem ungünstigen Stern. Wegen ständiger Querelen mit dem Vereinswirt und unzumutbarer Saalverhältnisse entschloss man sich zu einem abermaligen Vereinslokalwechsel. Gleichzeitig musste der langjährige 1. Vorsitzender Peter Schmidt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Peter Schmidt stand über 16 Jahre an der Spitze des Vereins. Als Anerkennung für seine unbestrittenen Verdienste nicht nur während seiner Amtsführung, wurde er in der Jahreshauptversammlung am 16. März 1968 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Bei allen die ihn kannten, wird er als eine der legendärsten Persönlichkeiten in der Vereinsgeschichte in Erinnerung bleiben.

Zu seinem Nachfolger wurde der heute noch aktive Sänger Helmuth Brandt gewählt. Es ergab sich ein nahtloser Übergang. Dem neuen Vorsitzenden ist es nicht nur gelungen, die Kontinuität zu wahren, sondern durch neue Impulse das Vereinsschiff auf Erfolgskurs zu steuern. Die Sänger wurden neu motiviert und zu neuen und größeren Leistungen angespornt. Inzwischen befand man sich im Vereinslokal „Zum Jägerhof", in dem der Verein auch Veranstaltungen in eigener Regie durchführen und damit auch seine finanzielle Basis verbessern konnte.

1969 wurde das 65jährige Bestehen im Rahmen eines großen Sommerfestes gefeiert, nachdem man schon den 60. Geburtstag 1964 in ähnlicher Form begangen hatte. Anfang 1970 trat der 1. Vorsitzende Brandt aus beruflichen Gründen von seinem Amt zurück. Nachfolger wurde Wolfgang Gebauer, der den Vorsitz 3 Jahre innehatte, bevor ihn Helmuth Brandt wieder ablöste.

Überwiegend aus den 50er und 60er Jahren sind die traditionellen Himmelfahrtsausflüge in Erinnerung geblieben. Karl Bopp aus Hitzbach stellte gerne sein stolzes Gespann für die feuchtfröhlichen Ausfahrten in die nähere Umgebung zur Verfügung. Bei Gesang und Äppelwoi konnte man den Alltagssorgen entfliehen. Eine Fülle von Erlebnissen und Anekdoten leben in der Erinnerung weiter.

1973 war ein erneuter Dirigentenwechsel fällig. Herr Engelhardt konnte aus Altersgründen die für ihn beschwerliche Fahrt nach Marköbel nicht mehr antreten, nachdem er dies 10 Jahre und zuletzt im Alter von 70 Jahren getan hatte.

Die Suche und Verpflichtung eines neuen Dirigenten ging zügig über die Bühne, da man auf den in Hammersbach wohnhaften Musikpädagogen Michael Starke zurückgreifen konnte, der an der musikalischen Leitung des Vereins interessiert war. Mit ihm konnte sich der Verein abermals steigern. In der Zeit seines Wirkens - leider sind es nur 3 1/2 Jahre gewesen - sind die karnevalistischen Veranstaltungen und die Bunten Sängerabende zu neuem Glanz gekommen. Die Erfolge bei Pokal- und Wertungssingen konnten fortgesetzt und als absoluten Höhepunkt beim Wertungssingen in Altwiedermus die drei ersten Klassenpreise gewonnen werden. Die Gemeinschaftskonzerte mit der Frankfurter Singgemeinschaft, deren Dirigent Starke gleichzeitig war, muss man bei ausgezeichneter Resonanz ebenfalls in die Erfolgspalette einreihen.

1974 wurde das 70jährigen Bestehen mit einer entsprechenden Festlichkeit gefeiert.

Nach dem Wohnortwechsel von Michael Starke konnte am 26. März 1977 Herr Reinhard Both aus Windecken als neuer Chorleiter gewonnen werden. Mit ihm hatte der Verein einen engagierten Dirigenten gefunden, der in kürzester Zeit an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen konnte, und allen Ehrgeiz daran setzte, den Verein in eine sichere Zukunft zu führen. Der gute Gesangstundenbesuch „übrigens der beste und beständigste seit Jahren" die erfolgreichen Konzertveranstaltungen, sehr gute Erfolge bei Wertungssingen, sowie die durch ihn neu geprägte musikalische Umrahmung der karnevalistischen Prunksitzungen waren ein steter Beweis für den Erfolg seiner Arbeit

Im Jahre 1979 feierten wir das 75jährige Bestehen mit einem großen Sängerfest, das mit einer überragenden Beteiligung von 40 Chören zu einem großen Erfolg wurde.

In den folgenden Jahren war es ein stetes Bestreben neue und vor allem junge Sänger zu gewinnen, da die Sängerzahl aus Altersgründen oder durch Tod stagnierte bzw. zurückging. Hier muss besonders dem 1. Vorsitzenden Helmuth Brandt gedankt werden, der durch stete Appelle an Jugendliche „wenn auch nur vorübergehend" sichtliche Erfolge erzielen konnte.

Als Meilenstein in der Vereinsgeschichte muss die Gründung des Frauenchores 1982 bezeichnet werden. Auf Grund der positiven Resonanz konnten nach relativ kurzer Zeit ca. 30 Frauen für den Chorgesang begeistert werden. Als Dirigent wurde Herr Franz Klein aus Limeshain verpflichtet, der zunächst nur für den Frauenchor tätig war. Der erste öffentliche Auftritt erfolgte bereits im November 1982 anlässlich der Totenehrung in der Kirche.

Im Jahre 1983 wurde erstmals die bereits traditionelle Faschings-Prunksitzung und das Kinderkostümfest in der Turnhalle der Primarschule im Ortsmittelpunkt durchgeführt. Dies war ein überfälliger Entschluss, da die Saalverhältnisse im Vereinslokal sehr beengt waren und jedem interessierten Bürger die Möglichkeit zum Besuch der Veranstaltung geboten werden sollte

In der Jahreshauptversammlung im März 1983 wurde eine zwangsläufige Satzungsänderung vorgenommen, da durch die Gründung des Frauenchores die Bezeichnung „Männergesangverein" keinen Bestand haben konnte. Der neue Vereinnamen lautet Gesangverein „Sängergruß Marköbel".

Nachdem im Oktober 1983 der seitherige Dirigent für den Männerchor Reinhard Both von seinem Amt zurücktrat, wurde Herrn Franz Klein die Gesamtleitung beider Chorgruppen übertragen. Dieser Zeitpunkt muss rückblickend als Wiege für den heutigen Gemischten Chor betrachtet werden.

Bereits im November 1983 erfolgte das erste gemeinschaftliche Konzert. Beide Chorgruppen hatten zunächst getrennte Übungsstunden, die im Bedarfsfall kurzzeitig zusammen gelegt wurden. Der neue Dirigent legte selbst ein sehr engagiertes Verhalten an den Tag, was sich in einem vergleichsweise anspruchsvollen und umfangreichen Lernpensum in beiden Chorgruppen niederschlug. Dies war die Basis für beachtliche Erfolge bei verschiedenen Wertungs- und Pokalsingen. Auch die sängerischen Aktivitäten bei den jährlichen Karnevalsveranstaltungen erfuhren eine weitere Steigerung.

In diesem Zusammenhang darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass Veranstaltungen in der Turnhalle im Ortsmittelpunkt nicht nur der Unterhaltung dienten, sondern auch finanzielle Aspekte eine gewisse Rolle spielten. Der relativ niedrige Mitgliedsbeitrag konnte nur einen geringen Teil der Fixkosten abdecken. Die notwendigen Veranstaltungen erforderten aber von den Mitgliedern einen erheblichen Arbeitseinsatz der sich nicht nur auf die Bewirtung beschränkte, sondern auch der umfangreiche Auf- und Abbau bewältigt werden musste.

Angeregt durch erfolgreiche Karnevalsveranstaltungen schloss sich eine Gruppe junger Frauen unter der Führung von Monika Schmidt zu einer Tanzgruppe, unter dem Dach des Sängergrußes, zusammen.

Mit der Bezeichnung „Freestyle" wurde schnell ein ebenso moderner wie attraktiver Name gefunden.

Diese Formation hat sich schnell zu einem nicht mehr wegzudenkenden Fundament der jährlichen Faschingsveranstaltungen entwickelt. Die engagierte Trainerin Monika Schmidt fungiert auch als ständige Ideengeberin für andere Ballettformationen und sonstige Auftritte. Auch bei der Kostümgestaltung lässt sie ihrer Kreativität und ihrem Einfallsreichtum freien Lauf.

Im Jahr 1986 veranstaltet der Sängergruß erstmals ein Adventssingen in der Kirche in Marköbel. Unter der Mitwirkung des Frauen- und Männerchores, der auch gemischte Literatur zum Vortrag brachte und der Flötengruppe aus Limeshain/Himbach unter der Leitung von Frau Klein, konnte ein großer Erfolg verzeichnet werden. Die Initiative zu dieser erstmaligen Veranstaltung ging in erster Linie vom Dirigenten Franz Klein aus. Danach wurde diese Veranstaltung zu einer dauerhaften Einrichtung, die sich bei den zahlreichen Besuchern großer Beliebtheit erfreut.

Da eine stete Neueinstudierung von Advents- und Weihnachtsliteratur einen großen Zeitaufwand in Anspruch nahm und die normale Chorliteratur dadurch in das Hintertreffen geriet, beschloss man diese Veranstaltung zwar beizubehalten, die Federführung und Ausrichtung jedoch in einem turnusmäßigen Wechsel mit der evangelischen Kirchengemeinde Marköbel durchzuführen, um die Belastung für den Sängergruß auf ein erträgliches Maß zu begrenzen..

Nach 22jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender übergab Helmuth Brandt auf eigenen Wunsch den Vorsitz an einen jüngeren Sänger. Im März 1992 trat Klaus-Peter Bender, der zuvor über längere Jahre das Amt des Schriftführers begleitete, in diese verantwortungsvolle Position. Helmuth Brandt wurde daraufhin in Würdigung seiner langjährigen Verdienste von der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In dieser Eigenschaft steht er dem jetzigen Vorstand noch mit Rat und tat zur Verfügung.

Im April 1992 fand zum Anlass des 10jährigen Bestehen des Frauenchores ein Liederabend statt. Durch die überdurchschnittliche Beteiligung, von 36 Chören, musste diese Veranstaltung auf 2 Tage verteilt werden. Mit einem kleinen Wermutstropfen war diese Veranstaltung behaftet, da zuvor unser Dirigent Franz Klein, wegen Differenzen im Zusammenhang mit der damaligen Festschrift sein Amt niederlegte.

Nach Probechorstunden mit den Dirigenten Oehler und Degreif haben sich beide Chorgruppen mehrheitlich für Herrn Degreif entschieden, der am 13. Mai 1992 als neuer Dirigent sein Amt antrat. Ab diesem Zeitpunkt wurden auch die noch an zwei Tagen stattfindenden Chorproben auf einen Tag konzentriert. Die Chorproben wurden auf montags, von 19°° -20³° Uhr für den Frauenchor und von 20³° - 22°° Uhr für den Männerchor festgelegt. Zur Einstudierung gemischter Chorliteratur wurde jeweils am ersten Montag im Monat eine gemeinsame Übungsstunde vereinbart.

Auf Initiative von Sangesfreund Karlheinz Seidel wurde nach Öffnung der Grenze zur ehemaligen DDR Verbindung zum Gesangverein in Thonhausen in Thüringen aufgenommen. Mehrfach gegenseitige Besuche waren Bestandteil dieser freundschaftlichen Beziehung die leider nicht weitergepflegt werden konnte, da dieser Partnerverein den Gesangsbetrieb aus personellen Gründen einstellen musste.

Eine strukturelle Änderung in der Geschichte des "Sängergruß" brachte die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Hanau. Nach Erfüllung einer Reihe von Auflagen, verbunden mit diversen Satzungsänderungen, wurde die Eintragung am 28. Oktober 1993 vorgenommen. Da diese neue Situation auch einen zusätzlichen Aufwand in der Abwicklung der Buchführung mit sich zog, entschloss man sich eine Computeranlage zu kaufen, die auch gleichzeitig für die Mitgliederverwaltung und Buchhaltung eingesetzt wird.

Im Jahre 1994 blickte der „Sängergruß Marköbel" eV auf sein 90jähriges Bestehen zurück.

Im Jubiläumsjahr fanden am 30. Januar die akademische Feier im Kuppelsaal der Grundschule im Ortsmittelpunkt statt. Die Laudatio wurde von Festpräsidentin Frau Bürgermeisterin Helga Meininger gehalten. Schirmherr war Landrat Herr Karl Eyerkaufer. Jubiläums - Veranstaltungen wurden über das ganze Jahr hinweg verteilt, sodass im April ein Chorkonzert und an zwei Tagen ein Freundschaftssingen durchgeführt werden konnte, zu dem ca 45 Vereine anwesend waren. Ausklang des Jubiläumsjahres war das Adventskonzert in der Kirche in Marköbel.

Veranstaltungshinweise

Mitglied im...

verband150
Hessischen Chorverband und
Deutschen Chorverband