Chronik

„100 Jahre Sängergruß" (aus dem Jahr 2004)

"Singe, wem Gesang gegeben, Gesang erfreut des Menschen Herz".

Diese Worte beseelen so manches Sängerherz. Es gab und gibt immer wieder Menschen, die dem Zauber der Musik und der Faszination des Chorgesangs verfallen sind.

So erging es auch einigen sangesfreudigen Männern unseres Ortes, die den Anlass dazu gaben, am 1. Mai 1904 in Marköbel einen Männergesangverein zu gründen. Freilich erst eine kleine Schar, aber ihre Liebe zum Gesang ließ sie vor dieser Aufgabe nicht zurückschrecken. So wurden 13 aktive und 4 passive Mitglieder als Gründer des Männergesangvereins "Sängergruß Marköbel" in das Protokoll aufgenommen. Die Übungsstunden wurden in der Gastwirtschaft "ZUM GOLDENEN HIRSCH" , Besitzer F. Rausch, abgehalten. Bereits 14 Tage nach der Gründung wurde der erste Vorstand und zu dessen 1. Vorsitzenden der Zimmermeister Wilhelm Dietzel gewählt.

Den Gründern des Vereins, ist die einzig noch vorhandene Fotografie (siehe rechte Seite) gewidmet, die im Jahre 1929 entstand.

Als erster Dirigent wurde Herr Klehm aus Ravolzhausen gewonnen, der in den ersten Monaten mit Klarinette und Geige die einzelnen Stimmen einübte. Trotz der kleinen Sängerschar, fanden diese aber bald den Mut, den Kauf eines Klavieres in Erwägung zu ziehen und nutzten die Gelegenheit, um in Enkheim das erste Instrument zu erwerben. Aus der Vereinschronik lässt sich entnehmen, dass der Chor "Ach wie herbe ist das Scheiden" die erste Literatur war, die die kleine Sängerschar lernte und zum Vortrag brachte.

Der Verein wuchs jedoch ständig und besonders junge sangesfreudige Anhänger traten in seine Reihen, so dass bald der Wunsch laut wurde, sich einem Verband anzuschließen, um dann auch Gelegenheit zu haben, bei anderen Veranstaltungen mit an die Öffentlichkeit zu treten und bei Wertungs- und Preissingen ihr Können zu zeigen und neue Anregungen für weiteren Aufstieg zu erlangen. So trat der Verein bereits im Jahre 1906 dem damaligen Arbeiter-Sängerbund bei. Dadurch war erstmals die Möglichkeit gegeben, sich an einem Wertungssingen in Hanau zu beteiligen.

Zu einer unliebsamen Auseinandersetzung kam es im Jahre 1908 mit dem damaligen Vereinswirt Schleucher, die kurzerhand dazu führte, dass das Vereinslokal aufgegeben wurde. Mitglied Georg Hettrich stellte darauf ein Zimmer in seinem Haus zur Verfügung, so dass dort für etwa 1 Jahr die Gesangstunden abgehalten werden konnten. Hettrich wurde dann später für sein Entgegenkommen zum Ehrenmitglied ernannt.

Es ist beneidenswert, wenn man Gelegenheit hat, die weitere Entwicklung des Vereins mitzuerleben, so wie es der damalige Chronist in einfachen Worten geschildert hat. Freud und Leid ist damals den wackeren Sängern nicht erspart geblieben, wenn auch eine behagliche Ruhe aus diesen Zeilen spricht, die vor Beginn des 1. Weltkrieges herrschte. Zahlreich war die Beteiligung an Wertungssingen und anderen Veranstaltungen musikalischen Könnens, ebenso wie solche unterhaltender Art, Waldfeste und Familienfeiern. Trotzdem musste auch damals schon hie und da ein schlechter Gesangstundenbesuch gerügt werden, eine Klage, die wohl bei allen Vereinen immer wieder mit Besorgnis festgestellt werden muss und heute aktueller denn je ist.

Der Verein konnte dann am 21. Juni 1914 gerade noch sein 10jähriges Stiftungsfest feierlich begehen, als die Schüsse von Sarajewo mit Beginn des 1. Weltkrieges jegliche Tätigkeit des Vereins unterbrachen. 10 Mitglieder mussten damals ihr junges Leben opfern.

Die erste Versammlung nach dem Kriege tagte wieder am 22. März 1919 unter dem Vorsitzenden Wilhelm Goldacker. Der alte Vorstand außer dem gefallenen Schriftführer nahm seine Tätigkeit wieder auf und man schloss die erste Versammlung nach der Wahl eines neuen Vorstandes in der guten Hoffnung, recht bald die Singstunden wieder aufnehmen zu können, zumal der seitherige Dirigent Georg Klehm ebenfalls wieder zur Verfügung stand. Die Sängerschar stieg wieder stetig an und man konnte wieder daran denken, mit Konzerten an die Öffentlichkeit zu treten. Dirigent Klehm unterbrach für ein halbes Jahr seine Tätigkeit, so dass für ihn vertretungsweise Herr Frischkorn die Leitung übernahm.

Das Jahr 1921 macht dann die Anschaffung eines neuen Klavieres notwendig, um in der beginnenden Inflation das Geld nicht völlig verfallen zu lassen. 1922 brachte dann noch einen Wechsel im Vereinslokal. Seit dieser Zeit fanden die Übungsstunden im Gasthaus "ZUM WALDHOF", Besitzer Fr. Hch. Herrmann, statt.

Das 20jährige Stiftungsfest im Jahre 1924 brachte auch den damaligen Sängern schon große - wie man es sieht, vielleicht auch nur kleine - Sorgen. Es wurde nämlich die Abhaltung eines Gartenfestes beschlossen, verbunden mit einem Preisschießen. Man höre und staune, dass eine weitere Mitgliederversammlung notwendig war, um darüber zu beschließen, dass auch noch ein Preiswürfeln und Ballwerfen zur Unterhaltung beitragen sollte. Trotzdem nahmen diese Veranstaltungen einen wesentlichen ruhigeren Verlauf als heute.

Für damalige Verhältnisse recht frühzeitig, nämlich im August 1928, begann man mit den Vorbereitungen für das 25jährige Vereinsjubiläum. Auch damals stand man vor der Wahl, ein kleineres oder größeres Fest abzuhalten, aber gegen nur eine Stimme wurden die Vorbereitungen für ein 3 Tage dauerndes Fest begonnen. Inzwischen war noch ein Dirigentenwechsel erfolgt. Als neuer Chorleiter wurde Herr Otto Meisenbacher gewonnen, unter dessen Leitung dann vorübergehend auch ein Kinderchor gegründet wurde. Als Beweis dafür, dient das Bild auf der rechten Seite, welches 1930 entstand.

Unter rühriger Leitung von Sangesfreund Wilhelm Wirth, kamen die Tage des 25jährigen Vereinsjubiläums näher. Neue Begeisterung für das deutsche Lied, Ansporn zu tatkräftiger Weiterbildung und ein Erstarken der Mitgliederzahl konnten damals zugunsten des Vereins verbucht werden. Rastlos waren die Sänger bemüht, auch der Öffentlichkeit gegenüber durch Konzerte und Liederabende Proben ihres Können zu geben. Den Höhepunkt bildete dann das Jahr 1932, wo der Verein auf dem Liedertag in Hanau mit dem Prädikat "SEHR GUT" ausgezeichnet wurde.

Aber bald schon zeichneten sich am Horizont graue Wolken ab; ein Sturm brach über Deutschland herein, dessen Auswirkungen in seinem Ausmaße noch nicht zu erkennen waren. Die Faust eines Diktators vernichtete mit einem Federstrich, was Jahrzehnte in unseren Reihen aufgebaut und gepflegt wurde. Im Zuge der Gleichschaltung musste der Verein die Auflösung ohnmächtig über sich ergehen lassen. Ein Orkan folgte dem Sturm im Jahre 1939, der in wenigen Jahren Deutschland in den Abgrund stürzte und damit ein Terrorsystem wieder hinwegfegte.

Schon bald nach dem Zusammenbruch 1945 wurde es in den Sängerkreisen wieder lebendig und am 6. Oktober 1945 fanden sich 26 Sänger ein, die sich trotz Not und Elend der Chormusik verschrieben hatten.

Ende 1947 zählte der Verein bereits 95 Mitglieder, darunter 59 aktive Sänger. Der seitherige Chorleiter, Herr Meisenbacher, legte sein Amt nieder und am 8. Juli 1951 hielt der neue Chorleiter, Herr Richard Schulz, aus Niederrodenbach, ein ausgebildeter Konzertsänger, seine erste Gesangstunde. Am Jahresende 1951 zählte der Verein 128 Mitglieder, davon 65 aktive Sänger. Nachdem Ende 1950 der seitherige Vorsitzende Heinrich Hofmann von seinem Amt zurücktrat, wurde Peter Schmidt einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt. Dies war der Beginn einer langfristigen Ära auf die im weitern Verlauf der Chronik nochmals eingegangen wird.

Das alte Klavier entsprach nicht mehr den gestellten Anforderungen, so dass sich der Verein entschloss, im September 1953 zu einem günstigen Preis einen wertvollen Flügel anzuschaffen.

Rege Vorbereitungen setzten ein, um das Fest des 50jährigen Bestehens vom 19.-21. Juni 1954 in würdiger Weise zu begehen. Die Veranstaltung auf dem Wiesengelände des Landwirts Wilhelm Schmidt an der Hüttengesäßer Str. kann man als einen der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte bezeichnen, nicht zuletzt durch die hervorragenden Witterungsverhältnisse unterstützt. Der Rahmen dieses Festes ging weit über die damaligen Dimensionen hinaus. An die Organisatoren, an der Spitze Festpräsident Fritz Schäfer, wurden schon damals Anforderungen gestellt, die mit denen von heute bei ähnlichen Anlässen verglichen werden können. Erstmals wurde auch ein Wertungssingen abgehalten, an dem sich damals schon 14 Vereine beteiligten. Nicht zu vergessen ist auch der einmalig schöne Festzug, an den sich mancher noch erinnern wird und der im Hammersbacher Vereinleben eine Rarität bleiben dürfte. Aus Anlass dieses Jubiläumsfestes wurde auch zum erstem mal eine Festschrift herausgegeben, in der die wichtigsten Ereignisse an diesen Festtagen dokumentiert sind.

Veranstaltungshinweise

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Matthias Baselmann

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Luther-Musical

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Christmas Moments

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